Was macht die Weihnachtszeit zur „Rushhour derRushhour“?
- Anja Bloch
- 16. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Die Vorweihnachtszeit gilt als besinnlich, ruhig, still. In Bayern spricht man von der staaden Zeit – einer Zeit des Innehaltens, des Rückzugs, der Gemütlichkeit. Tee trinken,
Kerzen anzünden, Zeit mit der Familie verbringen. Und doch erleben viele Eltern – vor allem Mütter – genau das Gegenteil.
Die Vorweihnachtszeit fühlt sich an wie eine Rushhour in der Rushhour des Lebens.
Wenn Besinnlichkeit nur ein Ideal ist
Rückblickend erinnere ich mich gut an die Zeit vor meinen Kindern. Auch damals war die Vorweihnachtszeit voll: Weihnachtsfeiern, Treffen mit Freund:innen, Weihnachtsmärkte, Geschenke besorgen. Das war stressig – keine Frage.
Der entscheidende Unterschied zu heute?
Am 24. Dezember konnte ich mich an einen gedeckten Tisch setzen. Das Essen war fertig, die Geschenke organisiert, meine einzige Aufgabe bestand darin, satt zu werden und „Kevin allein zu Haus“ zu schauen.
Als Mutter ist das anders.
Jetzt sorge ich – gemeinsam mit meinem Partner – dafür, dass das Essen auf dem Tisch steht, Geschenke da sind und die Kinder ein schönes Weihnachtsfest erleben. Verantwortung ersetzt Erholung.
Was macht die Weihnachtszeit zur „Rushhour derRushhour“?
Es ist nicht ein einzelner Faktor, sondern ein Zusammenspiel aus vielem:
• Mehr Termine:
Weihnachtsfeiern in Kita, Schule, Verein, Arbeit. Dazu
Termine des Partners oder der Partnerin. Alles will
koordiniert, organisiert und betreut werden.
• Innere Erwartungen:
Wie soll Weihnachten sein?
Selbst gebackene Plätzchen, selbst gebastelte
Adventskalender, perfekte Rituale, magische Momente für
die Kinder.
• Äußere Erwartungen:
Erwartungen von Familie, Schwiegerfamilie,
Institutionen.„Wann kommt ihr?“, „Was bringt ihr mit?“, „Wie machen
wir das dieses Jahr?“
• Emotionale Trigger:
Verlust, Trauer, Einsamkeit, familiäre Spannungen oder
Kontaktabbrüche.
Gerade weil Weihnachten ein starkes Familienfest ist, werden alte Wunden oft besonders spürbar.
Stress entsteht dabei nicht durch zu wenig Zeit – sondern durch zu viele gleichzeitige Anforderungen an unser Nervensystem.
Wenn Perfektion zusätzliche Last wird
Ein gutes Beispiel dafür ist der beliebte Wichtelbrauch. Magisch für Kinder – anstrengend für Eltern. Was als schöne Idee beginnt, wird schnell zu einem weiteren To-do spätabends, wenn eigentlich keine Kraft mehr da ist. Solche Rituale sind nicht falsch. Aber sie dürfen hinterfragt werden: Dient das gerade wirklich uns – oder nur einem Idealbild?
Warum unsere Bedürfnisse oft ganz nach hinten rutschen
Gerade Mütter stellen ihre eigenen Bedürfnisse ohnehin oft zurück. In der Vorweihnachtszeit rutschen sie meist noch weiter nach hinten. Erschöpfung, Reizüberflutung und das Gefühl, allem gerecht werden zu müssen, sind keine Schwäche – sie sind eine logische Reaktion.
Was kann helfen? Kleine, realistische Schritte
1. Prioritäten klären
Frage dich:
• Welche drei Werte sollen meine Weihnachtszeit prägen?
(z. B. Ruhe, Verbindung, Präsenz, Freude)
Nicht alles ist gleich wichtig – auch wenn es sich so anfühlt.
2. Termine bewusst auswählen
Welche Termine sind wirklich notwendig?
Welche sind optional?Was darf dieses Jahr auch ohne dich stattfinden?
3. Erwartungen loslassen – wo es möglich ist
Manche Grenzen zu setzen kostet viel Kraft.
Dann darfst du dort loslassen, wo du Handlungsspielraum hast – und es dir leichter machen.
4. Planung aus dem Kopf holen
Schreib alles auf.
Ein Wochen- oder Monatsplan schafft Übersicht und reduziert mentale Belastung.
Ein analoger Kalender kann helfen, das Ausmaß sichtbar zu machen – und bewusst zu streichen.
5. Delegieren und einbeziehen
Verteile Aufgaben. Beziehe Kinder altersgerecht ein. Perfektion darf weichen – Verbindung darf bleiben.
6. Zeit für dich ist kein Luxus
Selbstfürsorge darf klein sein.
Manchmal reichen drei bewusste Atemzüge am Tag – z. B. beim Kaffee kochen, beim Essen vorbereiten, beim Zubettgehen.Achtsamkeit ist nichts Zusätzliches. Sie geschieht mitten in der Rushhour des Lebens.
Weihnachten als Brücke ins neue Jahr
Statt im Januar alles neu zu machen, darf die Weihnachtszeit ein sanfter Übergang sein.
Reflektiere:
• Was hat dich dieses Jahr getragen?
• Was hat dich erschöpft?
• Was möchtest du bewusst mitnehmen – und was
zurücklassen?
Nicht mehr Druck, sondern mehr Bewusstheit führt zu Veränderung.
Zum Abschluss eine Frage an dich:
Wenn diese Weihnachtszeit eine Botschaft für dich hätte – welche wäre das?

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